Jede dritte Person über 65 stürzt mindestens einmal im Jahr, bei den über 80-Jährigen ist es sogar jede zweite. Mehr als 400.000 ältere Menschen werden in Deutschland jährlich nach einem Sturz im Krankenhaus behandelt, in etwa jedem zehnten Fall mit einem Knochenbruch. Sturzprophylaxe klingt nach einem abstrakten Fachbegriff, ist in Wirklichkeit aber eine der wirksamsten Maßnahmen, um Selbstständigkeit im Alter zu erhalten.
Das Wichtigste in Kürze
- Jede dritte Person über 65 stürzt mindestens einmal jährlich, bei über 80-Jährigen ist es jede zweite.
- Muskelschwäche, Gleichgewichtsstörungen, Sehprobleme, bestimmte Medikamente und die Angst vor einem erneuten Sturz selbst zählen zu den größten Risikofaktoren.
- Gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining ist die wirksamste Einzelmaßnahme gegen Stürze, wichtiger als jede einzelne Wohnungsanpassung.
- Ein Hausbesuch erlaubt es uns, Stolperfallen direkt bei Ihnen zu Hause zu erkennen, etwas, das in einer Praxis schlicht nicht möglich ist.
- Als Privatversicherte und Selbstzahler ist ein Rezept zur Kostenerstattung sinnvoll, aber keine zwingende Voraussetzung, um einen Termin zu vereinbaren.
Wie groß ist das Sturzrisiko im Alter tatsächlich?
Die Zahlen sind höher, als die meisten Menschen annehmen: Nach einer Untersuchung des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart stürzt etwa ein Drittel aller über 65-Jährigen mindestens einmal pro Jahr, bei den über 80-Jährigen ist es jeder Zweite. Ein Sturz endet dabei keineswegs immer glimpflich, in rund einem von zehn Fällen kommt es zu einem Bruch, am häufigsten an Hüfte, Oberschenkelhals oder Unterarm.
Die eigentliche Gefahr liegt oft in dem, was nach dem ersten Sturz passiert. Wer einmal gestürzt ist, bekommt häufig Angst vor einem weiteren Sturz, bewegt sich deshalb weniger, verliert dadurch zusätzlich an Muskelkraft und wird beim nächsten Mal noch anfälliger. Genau diesen Teufelskreis durchbricht gezieltes Training am zuverlässigsten.
Welche Risikofaktoren erhöhen die Sturzgefahr?
| Risikofaktor | Warum er das Sturzrisiko erhöht |
|---|---|
| Muskelschwäche | Weniger Kraft, um sich beim Stolpern noch abzufangen |
| Gleichgewichtsstörungen | Verzögerte Reaktion auf Unebenheiten im Boden |
| Seh- und Hörprobleme | Stolperfallen werden zu spät erkannt, Gleichgewichtssinn ist eng mit dem Gehör verknüpft |
| Bestimmte Medikamente | Blutdrucksenker, Beruhigungsmittel und einige weitere Präparate können Schwindel auslösen |
| Angst vor einem erneuten Sturz | Führt zu weniger Bewegung und dadurch zu weiterem Kraftverlust |
Die meisten dieser Faktoren lassen sich beeinflussen, Muskelkraft und Gleichgewicht sogar in jedem Alter noch trainieren. Medikamentenbedingten Schwindel besprechen Sie am besten direkt mit Ihrem Hausarzt, hier kann oft schon eine angepasste Dosierung oder ein anderes Präparat helfen. Ein deutlich erhöhtes Sturzrisiko besteht zudem nach einem Schlaganfall, hier lohnt sich gezieltes Training gleich doppelt.
Was tun, wenn trotzdem ein Sturz passiert?
Sturzprophylaxe senkt das Risiko deutlich, verhindert einen Sturz aber nicht mit hundertprozentiger Sicherheit. Bleibt die gestürzte Person ansprechbar und kann sich ohne starke Schmerzen bewegen, ist meist kein Notfall gegeben. Anders sieht es in folgenden Fällen aus.
| Situation nach einem Sturz | Was jetzt zu tun ist |
|---|---|
| Person ist nicht ansprechbar | Stabile Seitenlage, sofort Notarzt |
| Bein oder Hüfte betroffen, Aufstehen nicht mehr möglich | Nicht bewegen, sofort Notarzt |
| Sichtbarer, offener Bruch | Steril abdecken, sofort Notarzt |
Liegt keiner dieser Fälle vor, lohnt sich trotzdem eine zeitnahe ärztliche Abklärung, um versteckte Verletzungen auszuschließen und die eigentliche Sturzursache zu finden.
Wie hilft Physiotherapie gegen zukünftige Stürze?
Die wirksamste Einzelmaßnahme gegen Stürze ist gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining, wichtiger als jede noch so gründliche Wohnungsanpassung allein. Wir bauen dabei Arm- und Beinmuskulatur gezielt auf, trainieren die Reaktion beim Aus-dem-Gleichgewicht-Geraten und verbessern die Koordination beim Gehen, gerade auch mit Hilfsmitteln wie einem Rollator.
Genauso wichtig ist die psychologische Seite: Viele Menschen mit Sturzangst bewegen sich aus Vorsicht deutlich weniger, als medizinisch nötig wäre, und verschlimmern damit genau das Problem, vor dem sie sich fürchten. Ein strukturiertes, begleitetes Training gibt spürbar mehr Sicherheit zurück, oft schon nach wenigen Wochen.
Was macht ein Hausbesuch bei der Sturzprophylaxe besonders wertvoll?
Ein großer Teil der Sturzursachen liegt in der Wohnung selbst: rutschige Teppiche, schlecht beleuchtete Flure, fehlende Haltegriffe im Bad oder Kabel, die quer über den Boden liegen. Bei einem Hausbesuch sehen wir diese Stolperfallen direkt vor Ort und können individuelle, auf Ihre eigene Wohnung zugeschnittene Empfehlungen geben, etwas, das in einer Praxis schlicht unmöglich ist.
Gleichzeitig üben wir genau die Bewegungen, die im Alltag tatsächlich gebraucht werden: das Aufstehen aus dem eigenen Sessel, das Gehen im eigenen Flur, das sichere Hinsetzen auf die eigene Toilette. Diese Alltagsnähe macht das Training spürbar wirksamer als ein allgemeines Übungsprogramm in einer Praxis.
Welche Übungen können Sie schon heute beginnen?
- Armkräftigung im Sitzen: Mit geradem Rücken auf einem Stuhl sitzen, in jeder Hand eine leichte Hantel oder gefüllte Wasserflasche vor der Brust halten, die Arme langsam nach außen führen und wieder zurück. 2 Serien à 5 Wiederholungen.
- Balance-Übung am Stuhl: Seitlich neben einen Stuhl stellen, sich an der Lehne festhalten, die Füße hüftbreit aufstellen und abwechselnd die Knie Richtung Brust anheben, der Oberkörper bleibt dabei aufrecht. 2 Serien à 10 Wiederholungen je Bein.
Steigern Sie Dauer und Intensität nur langsam und sprechen Sie vorab mit uns oder Ihrem Arzt, ob diese Übungen für Ihre individuelle Situation geeignet sind, insbesondere bei bereits bestehenden Gelenkproblemen.
Wie sieht die Kostenübernahme für Privatversicherte und Selbstzahler aus?
Für Privatversicherte und Selbstzahler gibt es keine gesetzliche Obergrenze für Anzahl oder Dauer der Behandlungen, solange sie medizinisch sinnvoll sind. Als Selbstzahler können Sie sich auch ganz ohne Rezept beraten lassen, als Privatversicherte empfehlen wir dagegen ein ärztliches Rezept, damit Sie die Kosten anschließend bei Ihrer Versicherung einreichen und erstattet bekommen können. Deshalb vereinbaren wir vor Behandlungsbeginn einen Honorarvertrag mit Ihnen, in dem alle Kosten schriftlich festgehalten sind, keine Überraschungen später auf der Rechnung.
Die Begleichung unserer Rechnung erfolgt dabei innerhalb der genannten Zahlungsfrist, unabhängig davon, wann Ihre Versicherung erstattet, die Rückerstattung holen Sie sich anschließend selbst bei Ihrer PKV ab.
Wie vereinbaren Sie einen Termin?
Rufen Sie uns unter 0151 720 56541 an oder fordern Sie über unser Kontaktformular einen unverbindlichen Rückruf an, gerne auch als Angehörige für einen Elternteil. Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden persönlich und klären, ab wann ein erster Hausbesuchstermin in Berlin oder Potsdam möglich ist.
Häufig gestellte Fragen
Ab welchem Alter macht Sturzprophylaxe Sinn?
Grundsätzlich immer dann, wenn erste Unsicherheit beim Gehen, ein zurückliegender Sturz oder eine spürbare Angst davor bestehen, unabhängig vom genauen Alter. Vorbeugend ist Kraft- und Balancetraining aber schon deutlich früher sinnvoll.
Kann ich als Angehörige einen Termin für meine Eltern vereinbaren?
Ja, das ist ausdrücklich möglich und kommt häufig vor. Sie können den ersten Kontakt stellvertretend aufnehmen, die eigentliche Behandlung findet dann mit Einverständnis direkt bei Ihrem Elternteil statt.
Reicht es, Stolperfallen in der Wohnung zu beseitigen?
Nein, das allein reicht nicht aus. Wohnungsanpassungen sind wichtig, aber gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining gilt als die wirksamste Einzelmaßnahme gegen Stürze, beides zusammen ergibt den besten Schutz.
Was, wenn schon eine Erkrankung wie Parkinson vorliegt?
Sprechen Sie uns direkt darauf an. Bei neurologischen Erkrankungen passen wir das Training zusätzlich an Ihre individuelle Diagnose an, mehr dazu lesen Sie auch in unserem eigenen Artikel zu Parkinson und Physiotherapie.
Wie schnell zeigt sich eine Verbesserung durch das Training?
Viele Menschen berichten schon nach wenigen Wochen regelmäßigen Trainings von mehr Sicherheit beim Gehen. Der volle Effekt auf Kraft und Gleichgewicht baut sich über mehrere Monate kontinuierlicher Übung auf.