Viele Menschen mit Osteoporose glauben, ihre Knochen müssten geschont werden. Genau das Gegenteil ist der Fall: Ohne Belastung baut Knochen kontinuierlich weiter ab, mit der richtigen Belastung kann er dagegen an Stabilität gewinnen. Der Berliner Anatom Julius Wolff beschrieb dieses Prinzip bereits Ende des 19. Jahrhunderts, es gilt bis heute als Grundlage jeder sinnvollen Osteoporose-Behandlung.
Das Wichtigste in Kürze
- Nach dem Wolff’schen Gesetz baut sich Knochen unter Belastung auf und ohne Belastung ab, Schonung ist bei Osteoporose meist die falsche Strategie.
- Astronauten verlieren in Schwerelosigkeit etwa 2 Prozent Knochenmasse pro Monat, ein eindrückliches Beispiel dafür, was fehlende Belastung anrichtet.
- Gehen, Laufen oder Treppensteigen stärken die Knochen wirksamer als Schwimmen oder Radfahren, weil dabei das Körpergewicht das Skelett tatsächlich belastet.
- Ein plötzlicher, starker Rückenschmerz ganz ohne erkennbaren Sturz kann auf einen Wirbelkörperbruch hindeuten und sollte ärztlich abgeklärt werden.
- Als Privatversicherte und Selbstzahler sind Sie bei Dauer und Anzahl der Behandlungen an keine gesetzliche Obergrenze gebunden.
Was passiert mit dem Knochen, wenn er nicht belastet wird?
Wie einschneidend fehlende Belastung wirkt, zeigt sich eindrücklich bei Astronauten: In der Schwerelosigkeit verlieren sie etwa 2 Prozent ihrer Knochenmineralmasse pro Monat. Die Bewegungsarmut im Alter wirkt in eine ähnliche Richtung, wenn auch langsamer, „use it or lose it“ gilt für den Knochen ebenso wie für die Muskulatur. Wer sich schont, weil er Angst vor einem Bruch hat, beschleunigt den Knochenabbau damit häufig eher, statt ihn zu verhindern.
Welche Warnzeichen sollten Sie ernst nehmen?
Ein plötzlicher, starker Rückenschmerz ganz ohne erkennbaren Sturz oder Unfall kann bei Osteoporose auf einen Wirbelkörperbruch hindeuten, solche Brüche entstehen bei stark geschwächten Knochen manchmal schon durch alltägliche Bewegungen wie Bücken oder Husten. Auch ein Sturz mit anschließend starken Schmerzen oder der Unfähigkeit, ein Bein zu belasten, gehört zeitnah in ärztliche Abklärung, nicht zunächst in die Physiotherapie.
Welche Bewegungsformen stärken die Knochen tatsächlich am meisten?
Nicht jede Sportart wirkt gleich auf den Knochen. Ausdauerbewegungen, bei denen das eigene Körpergewicht getragen wird, wie zügiges Gehen, Laufen, Wandern oder Treppensteigen, eignen sich zur Vorbeugung besser als Schwimmen oder Radfahren, weil das Wasser beziehungsweise der Sattel einen Großteil des Körpergewichts abnimmt und der Knochen dadurch weniger Reiz erhält. Regelmäßige Bewegung im Freien bringt einen zusätzlichen Vorteil, Sonnenlicht regt die körpereigene Vitamin-D-Produktion an, die wiederum die Aufnahme von Calcium in den Knochen fördert, auch wenn diese Fähigkeit der Haut im Alter nachlässt.
Als besonders wirksam gilt zudem intensiveres Krafttraining sowie Übungen mit kurzen, dynamischen Belastungsspitzen, etwa Aerobic oder kleine Sprungsequenzen. Gerade bei bereits geschwächten Knochen braucht es dafür aber eine sorgfältige, ausreichend lange Gewöhnungsphase, damit das Training die Knochen stärkt, statt sie zu überlasten.
Wie hilft Physiotherapie bei Osteoporose?
Wir stimmen Kraft- und Balanceübungen individuell auf Ihre Knochendichte und Ihre körperliche Ausgangssituation ab, damit die Belastung fordert, ohne zu überfordern. Neben dem eigentlichen Krafttraining gehört auch Koordinations- und Gleichgewichtsübungen zum Programm, sie verbessern die Körperkontrolle im Alltag und senken damit direkt das Risiko für genau die Stürze, die bei geschwächten Knochen besonders gefährlich wären.
Warum sind Osteoporose und Sturzprophylaxe so eng miteinander verbunden?
Ein Sturz ist für die meisten Menschen unangenehm, für Menschen mit Osteoporose kann er zu einem Bruch führen, am häufigsten an Hüfte, Wirbelkörper oder Handgelenk. Deshalb lohnt es sich, Kraftaufbau und Sturzprophylaxe von Anfang an gemeinsam zu denken, nicht als zwei getrennte Themen. Mehr zu den einzelnen Risikofaktoren und Übungen lesen Sie in unserem eigenen Artikel zur Sturzprophylaxe.
Warum ist ein Hausbesuch bei Osteoporose besonders sinnvoll?
Bei Menschen mit geschwächten Knochen ist schon der Weg zur Praxis mit einem gewissen Risiko verbunden, ein Sturz auf dem Weg dorthin hätte deutlich ernstere Folgen als bei gesunden Knochen. Bei einem Hausbesuch trainieren wir stattdessen direkt in Ihrer eigenen, vertrauten Umgebung, an der Treppe und den Möbeln, die Sie tatsächlich täglich nutzen. Mehr zu den Vorteilen lesen Sie in unserem eigenen Artikel dazu.
Wie sieht die Kostenübernahme für Privatversicherte und Selbstzahler aus?
Für Privatversicherte und Selbstzahler gibt es keine gesetzliche Obergrenze für Anzahl oder Dauer der Behandlungen, solange sie medizinisch sinnvoll sind, bei einer Erkrankung, die dauerhaftes Training erfordert, ein spürbarer Vorteil. Als Selbstzahler können Sie sich auch ganz ohne Rezept beraten lassen, als Privatversicherte empfehlen wir dagegen ein ärztliches Rezept, damit Sie die Kosten anschließend bei Ihrer Versicherung einreichen und erstattet bekommen können.
Deshalb vereinbaren wir vor Behandlungsbeginn einen Honorarvertrag mit Ihnen, in dem alle Kosten schriftlich festgehalten sind. Die Begleichung unserer Rechnung erfolgt dabei innerhalb der genannten Zahlungsfrist, unabhängig davon, wann Ihre Versicherung erstattet.
Wie vereinbaren Sie einen Termin?
Rufen Sie uns unter 0151 720 56541 an oder fordern Sie über unser Kontaktformular einen unverbindlichen Rückruf an, gerne auch als Angehörige für einen betroffenen Elternteil. Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden persönlich und klären, ab wann ein erster Hausbesuchstermin in Berlin oder Potsdam möglich ist.
Häufig gestellte Fragen
Ist Sport bei Osteoporose nicht gefährlich?
Nein, im Gegenteil, gezielte Belastung ist die wirksamste Maßnahme gegen weiteren Knochenabbau. Wichtig ist nur, dass Art und Intensität des Trainings zu Ihrer individuellen Knochendichte passen, genau das stimmen wir bei der Befundung mit Ihnen ab.
Welcher Sport ist bei Osteoporose am wirksamsten?
Ausdauerbewegungen mit eigenem Körpergewicht wie zügiges Gehen, Wandern oder Treppensteigen wirken stärker auf den Knochen als Schwimmen oder Radfahren. Ergänzendes Krafttraining verstärkt den Effekt zusätzlich.
Warum sind Schwimmen und Radfahren weniger wirksam gegen Osteoporose?
Weil Wasser beziehungsweise der Fahrradsattel einen Großteil des Körpergewichts abnehmen, fehlt dem Knochen genau der Belastungsreiz, den er zum Aufbau braucht. Als Ausgleichssport bleiben beide trotzdem sinnvoll, nur eben nicht als alleinige Osteoporose-Maßnahme.
Woran erkenne ich einen Wirbelkörperbruch bei Osteoporose?
Typisch ist ein plötzlicher, starker Rückenschmerz, der auch ganz ohne Sturz oder erkennbaren Auslöser auftreten kann. Suchen Sie in diesem Fall zeitnah ärztlichen Rat, bevor Sie mit Übungen fortfahren.
Kann ich als Angehörige einen Termin für meinen Elternteil vereinbaren?
Ja, das ist ausdrücklich möglich und kommt häufig vor. Sie können den ersten Kontakt stellvertretend aufnehmen, die eigentliche Behandlung findet dann mit Einverständnis direkt bei Ihrem Elternteil statt.