Rund sechs bis acht Prozent der Menschen in Deutschland leben mit einer Polyneuropathie, bei den über 55-Jährigen ist es bereits jeder Zwölfte. Die Nervenerkrankung beginnt meist unauffällig mit Kribbeln in den Füßen und kann unbehandelt zu spürbaren Gangunsicherheiten führen. Genau hier setzt gezieltes physiotherapeutisches Training an, und zwar am wirksamsten dort, wo der Alltag der Betroffenen tatsächlich stattfindet: zu Hause.
Das Wichtigste in Kürze
- 6 bis 8 Prozent der Bevölkerung sind betroffen, bei über 55-Jährigen ist die Häufigkeit mit rund 8 Prozent deutlich höher als bei jüngeren Menschen.
- Mit etwa 30 Prozent ist Diabetes mellitus die häufigste Ursache, doch rund 14 Prozent der Fälle sind autoimmun bedingt und damit ursächlich behandelbar.
- Regelmäßige Bewegung fördert nachweislich die Durchblutung der Nerven und kann das Fortschreiten der Symptome bremsen.
- Durch die verminderte Fußsensibilität steigt das Sturzrisiko deutlich, ein Grund, warum Training in der eigenen, vertrauten Umgebung besonders wirksam ist.
- Als Privatversicherte und Selbstzahler ist ein Rezept zur Kostenerstattung sinnvoll, aber keine zwingende Voraussetzung für einen Termin.
Was ist eine Polyneuropathie und wie häufig ist sie?
Bei einer Polyneuropathie sind die peripheren Nerven geschädigt, also alle Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Dadurch werden Reize aus Füßen, Beinen oder Händen nicht mehr richtig ans Gehirn weitergeleitet, umgekehrt kommen auch Bewegungsbefehle schlechter an. Die Erkrankung ist deutlich häufiger, als viele Betroffene zunächst annehmen: Bis zum 55. Lebensjahr sind etwa 2,4 Prozent betroffen, danach steigt die Häufigkeit auf rund 8 Prozent, mehr als jeder Zwölfte in dieser Altersgruppe.
Diagnostiziert wird die Polyneuropathie beim Neurologen, unter anderem über die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und ein Elektromyogramm. Für den Alltag der Betroffenen entscheidend ist aber weniger die genaue Diagnostik als die Frage, was jetzt konkret hilft, und da spielt Physiotherapie eine zentrale Rolle.
Woran erkennen Sie eine Polyneuropathie?
Die Beschwerden beginnen fast immer an den Füßen und wandern von dort langsam nach oben. Typisch ist ein Kribbeln, das sich anfühlt, als würden Ameisen über die Haut laufen, dazu kommen häufig Brennen, Taubheitsgefühl oder ein diffuses Spannungsgefühl, oft nachts stärker als tagsüber.
Mit fortschreitender Erkrankung nimmt die Muskelkraft in den Beinen ab, die Reflexe werden schwächer und der Gang wird zunehmend unsicher, manche Betroffene beschreiben das eher als „Schwindel“, obwohl tatsächlich eine gestörte Nervenfunktion in den Beinen dahintersteckt. Ein verräterisches Zeichen: Dieser Schwindel tritt praktisch nur im Stehen oder Gehen auf, im Sitzen verschwindet er.
Was sind die häufigsten Ursachen?
| Ursache | Anteil an den Fällen |
|---|---|
| Diabetes mellitus | etwa 30 Prozent |
| Ungeklärte Ursache (kryptogen) | etwa 20 Prozent |
| Autoimmun bedingt | etwa 14 Prozent |
Diese letzte Gruppe verdient besondere Aufmerksamkeit: Autoimmune Polyneuropathien lassen sich ursächlich behandeln, anders als viele andere Formen. Ärzte werden aufmerksam, wenn der Blutzucker eigentlich gut eingestellt ist, die Diabetes-Diagnose erst kurz zurückliegt oder die Beschwerden ungewöhnlich rasch und einseitig auftreten, das sind Hinweise darauf, dass eine rein diabetische Ursache allein die Beschwerden nicht erklärt und sich eine genauere neurologische Abklärung lohnt.
Wie hilft Physiotherapie bei Polyneuropathie?
Bewegung wirkt bei Polyneuropathie auf mehreren Ebenen. Sie verbessert die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung der geschädigten Nerven, unterstützt so ihre Regeneration und wirkt gleichzeitig der Muskelschwäche entgegen, die durch die gestörte Nervenversorgung entsteht. Wir kombinieren dafür gezieltes Gleichgewichtstraining, Kräftigungsübungen für Beine und Füße sowie sensomotorische Reize, etwa durch das Ertasten unterschiedlicher Oberflächen, um das beeinträchtigte Empfinden wieder zu schärfen.
Ergänzend setzen wir bei Bedarf Bindegewebsmassagen entlang der Nervenaustrittspunkte oder Wärme- und Kälteanwendungen ein, beides kann Missempfindungen wie Brennen oder Kribbeln zusätzlich lindern. Wichtig zu wissen: Physiotherapie ersetzt nicht die ursächliche und die schmerztherapeutische Behandlung durch den Arzt, sondern ergänzt beide als dritte, unterstützende Säule der Therapie.
Warum ist ein Hausbesuch bei Polyneuropathie besonders sinnvoll?
Die verminderte Fußsensibilität bringt ein reales Problem mit sich: Kleine Verletzungen, Druckstellen oder Unebenheiten auf dem Weg zur Praxis werden oft schlicht nicht mehr gespürt, gleichzeitig ist durch die gestörte Nervenfunktion in den Beinen ohnehin schon die Sturzgefahr erhöht. Ein Weg zur Praxis, gerade bei Glätte oder schlechter Beleuchtung, ist für viele Betroffene damit ein vermeidbares Risiko.
Bei einem Hausbesuch trainieren wir stattdessen genau in der Umgebung, in der sich die Gangunsicherheit im Alltag tatsächlich zeigt: auf dem eigenen Teppich, im eigenen Flur, auf der eigenen Treppe. Das macht das Training nicht nur sicherer, sondern auch spürbar alltagsnäher als ein allgemeines Programm in einer Praxis, wie es auch bei Physiotherapie als Hausbesuch grundsätzlich der Fall ist.
Welche Übungen gehören zu einer Behandlung zu Hause?
- Zehenstand: Im Stehen langsam auf die Zehenspitzen kommen, kurz halten, dann die Fersen wieder absenken. Stärkt die Wadenmuskulatur und schult das Gleichgewicht. 2 Serien à 10 Wiederholungen, mit einer Stuhllehne als Sicherheit.
- Tandemstand: Einen Fuß direkt vor den anderen stellen, wie auf einer Linie, und die Position möglichst lange ohne Festhalten stabilisieren. Fordert das Gleichgewicht deutlich stärker als der normale Stand.
- Ballrollen unter der Fußsohle: Im Sitzen einen Igelball unter der Fußsohle langsam hin und her rollen. Regt die Durchblutung an und setzt gezielte sensorische Reize.
Steigern Sie Schwierigkeit und Dauer nur langsam und sprechen Sie vorab mit uns, welche Übungen zu Ihrem individuellen Beschwerdebild passen, insbesondere wenn bereits eine ausgeprägte Gangunsicherheit besteht.
Was sollten Sie zusätzlich beachten?
Kontrollieren Sie Ihre Füße täglich auf Druckstellen, Rötungen oder kleine Verletzungen, am besten mit einem kleinen Spiegel für schwer einsehbare Stellen, denn genau diese Verletzungen werden aufgrund der gestörten Sensibilität oft nicht bemerkt. Gut sitzende Schuhe mit weichem Innenmaterial und rutschfester Sohle sind ebenso wichtig wie nahtlose, atmungsaktive Socken.
Für Privatversicherte lohnt sich ein ärztliches Rezept, das die Diagnose Polyneuropathie sowie nach Möglichkeit den Vermerk „Hausbesuch“ enthält, das erleichtert die Einreichung bei Ihrer Versicherung deutlich.
Was kostet die Physiotherapie zu Hause bei Polyneuropathie?
Für Privatversicherte und Selbstzahler gibt es keine gesetzliche Obergrenze für Anzahl oder Dauer der Behandlungen, solange sie medizinisch sinnvoll sind. Deshalb vereinbaren wir vor Behandlungsbeginn einen Honorarvertrag mit Ihnen, in dem alle Kosten schriftlich festgehalten sind, keine Überraschungen später auf der Rechnung.
Die Begleichung unserer Rechnung erfolgt innerhalb der genannten Zahlungsfrist, unabhängig davon, wann Ihre Versicherung erstattet, die Rückerstattung holen Sie sich anschließend selbst bei Ihrer PKV ab.
Wie vereinbaren Sie einen Termin?
Rufen Sie uns unter 0151 720 56541 an oder fordern Sie über unser Kontaktformular einen unverbindlichen Rückruf an. Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden persönlich und klären, ab wann ein erster Hausbesuchstermin in Berlin oder Potsdam möglich ist.
Häufig gestellte Fragen
Kann Physiotherapie eine Polyneuropathie heilen?
Nein, in den meisten Fällen nicht. Sie kann aber Symptome lindern, das Fortschreiten bremsen und vor allem das Sturzrisiko deutlich senken, was für die Selbstständigkeit im Alltag entscheidend ist.
Ab welchem Stadium lohnt sich der Beginn der Therapie?
Je früher, desto besser. Schon bei ersten Kribbelgefühlen kann gezieltes Training helfen, Gleichgewicht und Muskelkraft zu erhalten, bevor eine spürbare Gangunsicherheit entsteht.
Ist die Ursache meiner Polyneuropathie für die Behandlung wichtig?
Ja, die ursächliche Abklärung beim Neurologen bleibt wichtig, gerade weil manche Formen tatsächlich ursächlich behandelbar sind. Die physiotherapeutische Behandlung selbst richtet sich dann vor allem nach Ihren konkreten Beschwerden.
Wie oft sollte trainiert werden?
Regelmäßigkeit zählt mehr als Intensität. Kurze, aber häufige Übungseinheiten im Alltag zeigen meist bessere Ergebnisse als seltene, lange Trainingstermine.
Was, wenn bereits ein Rollator oder Gehstock genutzt wird?
Das ist kein Hindernis für die Behandlung, im Gegenteil. Wir beziehen vorhandene Hilfsmittel in das Training mit ein und prüfen, ob die aktuelle Versorgung noch zu Ihrem Beschwerdebild passt.