Menschen mit Multipler Sklerose wurde früher von körperlicher Aktivität eher abgeraten, aus Sorge, Bewegung könnte die Erkrankung verschlimmern. Diese Sorge gilt heute als überholt: Regelmäßiges Training hat keinen negativen Einfluss auf die Schubrate, im Gegenteil, es kann Muskelkraft, Erschöpfung und sogar die Gehfähigkeit spürbar verbessern.
Das Wichtigste in Kürze
- Bereits zweimal 20 bis 30 Minuten Training pro Woche können Muskelkraft steigern und Fatigue messbar verbessern, oft schon nach vier Wochen.
- Etwa 80 Prozent der MS-Betroffenen reagieren empfindlich auf Wärme (Uhthoff-Phänomen), ein kühler Trainingsraum ist deshalb wichtig.
- Regelmäßiges Training hat keinen negativen Einfluss auf die Schubrate, diese frühere Sorge gilt heute als widerlegt.
- Achten Sie beim Verordnen auf den Zusatz „ZN 2“ auf Ihrem Rezept, er sichert Ihnen eine neurologisch fortgebildete Physiotherapeutin.
- Als Privatversicherte und Selbstzahler sind Sie bei Dauer und Anzahl der Behandlungen an keine gesetzliche Obergrenze gebunden.
Was passiert bei MS im Körper, und was bedeutet das für die Physiotherapie?
Bei Multipler Sklerose greift das körpereigene Immunsystem die schützende Isolierschicht der Nervenzellen an, die Myelinscheide. Dadurch werden Nervenimpulse verzögert oder blockiert, je nachdem, welche Bereiche des Nervensystems betroffen sind, entstehen ganz unterschiedliche Beschwerden: Muskelschwäche, Erschöpfung, Gleichgewichts- und Koordinationsprobleme oder Taubheitsgefühle. Physiotherapie setzt gezielt bei den motorischen Folgen an, bei Kraft, Ausdauer, Gleichgewicht und Beweglichkeit.
Worauf sollten Sie beim Training besonders achten?
Das sogenannte Uhthoff-Phänomen betrifft etwa 80 Prozent der MS-Betroffenen: Bei erhöhter Körpertemperatur können sich Symptome vorübergehend verschlimmern, ganz ohne dass ein echter Krankheitsschub vorliegt. Ein kühler Trainingsraum und ausreichend Flüssigkeit sind deshalb wichtiger als bei den meisten anderen Trainingsformen.
Da die Leistungsfähigkeit bei MS stärker schwankt als bei gesunden Menschen, gilt außerdem: Hören Sie auf Ihren Körper und schätzen Sie Ihr Befinden vor jeder Einheit neu ein. Verstärken sich Erschöpfung oder Gleichgewichtsprobleme während des Trainings deutlich, ist das ein Signal, die Intensität zu reduzieren oder die Einheit zu beenden, nicht sich durchzukämpfen. Ein neu auftretendes, deutliches Symptom außerhalb des Trainings, das mehrere Tage anhält, sollten Sie dagegen zeitnah mit Ihrem Neurologen abklären, da es auf einen echten Schub hindeuten kann.
Wie oft und wie intensiv sollten Sie trainieren?
Bereits zweimal 20 bis 30 Minuten Training pro Woche können die Muskelkraft steigern und Fatigue deutlich verbessern, messbare Erfolge zeigen sich häufig schon nach vier Wochen. Wichtiger als einzelne intensive Einheiten ist dabei die Regelmäßigkeit über einen längeren Zeitraum. Bei Spastik empfehlen medizinische Leitlinien ausdrücklich aktives Training statt Schonung, ergänzt durch gezielte Dehnübungen.
Was bedeutet der Zusatz „ZN 2“ auf Ihrem Rezept?
Wenn Ihr Arzt Physiotherapie bei MS verordnet, achten Sie auf den Zusatz „ZN 2“ im Verordnungsfeld, er steht für „Zentrales Nervensystem bei Erwachsenen“ und sichert Ihnen eine Behandlung durch eine Physiotherapeutin mit neurologischer Zusatzausbildung. Fehlt dieser Zusatz, sprechen Sie Ihren Arzt gezielt darauf an.
Warum ist ein Hausbesuch bei MS besonders praktisch?
Das Uhthoff-Phänomen macht die Trainingsumgebung bei MS wichtiger als bei den meisten anderen Diagnosen, ein überhitztes Wartezimmer oder ein voller, stickiger Behandlungsraum kann Symptome spürbar verschlimmern. Zu Hause können Sie die Raumtemperatur selbst kontrollieren, ohne auf die Gegebenheiten einer fremden Praxis angewiesen zu sein. Gleichzeitig entfällt bei Gleichgewichts- oder Erschöpfungsproblemen eine anstrengende Anfahrt vollständig. Mehr zu den Vorteilen lesen Sie in unserem eigenen Artikel dazu.
Welche Übungen helfen im Alltag?
- Balance-Haltung: In Schrittstellung stehen, je breiter die Beine, desto stabiler, die Position so lange wie möglich halten, bei Unsicherheit an einer Wand oder einem stabilen Möbelstück abstützen.
- Stehende Liegestütze: Vor einer Arbeitsplatte stehen, die Kante greifen, die Arme beugen und den Oberkörper Richtung Hände führen, die Fersen bleiben am Boden, kräftigt die Rumpfstabilität.
- Zehenstand: Langsam mit den Fersen vom Boden abdrücken, bis Sie auf den Zehen stehen, aktiviert die Wadenmuskulatur und verbessert die Abdruckphase beim Gehen.
Bauen Sie diese Übungen mehrfach für jeweils 10 bis 15 Minuten in Ihren Alltag ein, etwa während Sie auf den Wasserkocher warten, statt eine eigene, zusätzliche Trainingszeit zu erzwingen.
Wie sieht die Kostenübernahme für Privatversicherte und Selbstzahler aus?
Für Privatversicherte und Selbstzahler gibt es keine gesetzliche Obergrenze für Anzahl oder Dauer der Behandlungen, solange sie medizinisch sinnvoll sind, bei einer chronischen Erkrankung wie MS ein spürbarer Vorteil. Als Selbstzahler können Sie sich auch ganz ohne Rezept beraten lassen, als Privatversicherte empfehlen wir dagegen ein ärztliches Rezept mit dem erwähnten „ZN 2“-Zusatz, damit Sie die Kosten anschließend bei Ihrer Versicherung einreichen und erstattet bekommen können.
Deshalb vereinbaren wir vor Behandlungsbeginn einen Honorarvertrag mit Ihnen, in dem alle Kosten schriftlich festgehalten sind. Die Begleichung unserer Rechnung erfolgt dabei innerhalb der genannten Zahlungsfrist, unabhängig davon, wann Ihre Versicherung erstattet.
Wie vereinbaren Sie einen Termin?
Rufen Sie uns unter 0151 720 56541 an oder fordern Sie über unser Kontaktformular einen unverbindlichen Rückruf an. Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden persönlich und klären, ab wann ein erster Hausbesuchstermin in Berlin oder Potsdam möglich ist.
Häufig gestellte Fragen
Kann Training bei MS einen Schub auslösen?
Nein, Studien zeigen, dass regelmäßiges Training keinen negativen Einfluss auf die Schubrate hat. Verwechseln Sie aber nicht eine vorübergehende, hitzebedingte Verschlechterung (Uhthoff-Phänomen) mit einem echten Schub.
Warum sollte der Trainingsraum bei MS kühl sein?
Etwa 80 Prozent der MS-Betroffenen reagieren mit vorübergehender Symptomverschlechterung auf erhöhte Körpertemperatur. Ein kühler Raum und ausreichend Trinken helfen, dieses Uhthoff-Phänomen zu vermeiden.
Wie schnell zeigen sich erste Erfolge durch Training?
Viele Betroffene berichten schon nach etwa vier Wochen regelmäßigen Trainings von messbaren Verbesserungen bei Kraft und Erschöpfung. Der Effekt einer Trainingsphase hält danach meist einige Monate an.
Was, wenn ich während des Trainings sehr erschöpft werde?
Reduzieren Sie die Intensität oder beenden Sie die Einheit für diesen Tag, statt sich durchzukämpfen. Ein Trainingstagebuch hilft, Ihre persönliche Belastungsgrenze über die Zeit besser einzuschätzen.
Ersetzt Physiotherapie meine MS-Medikamente?
Nein, Physiotherapie und Training können die medikamentöse Behandlung sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen. Beides gemeinsam wirkt erfahrungsgemäß am besten.