Mindestens eine Million Menschen in Deutschland leben mit Long- oder Post-COVID, viele davon kämpfen mit einer Erschöpfung, die sich grundlegend von normaler Müdigkeit unterscheidet. Das Tückische dabei: Ausgerechnet die naheliegendste Reaktion, sich durch mehr Bewegung wieder hochzuarbeiten, kann die Beschwerden bei einem Teil der Betroffenen deutlich verschlimmern. Genau hier braucht es einen behutsamen, individuell abgestimmten Ansatz.
Das Wichtigste in Kürze
- Long-COVID bezeichnet Beschwerden ab 4 Wochen nach der Infektion, Post-COVID solche, die über 12 Wochen bestehen bleiben.
- Bei einer Post-exertionellen Malaise (PEM) verschlechtern sich Symptome nach Belastung, hier ist Bewegung als Standardtherapie ausdrücklich nicht empfohlen.
- Pacing, das bewusste Bleiben unterhalb der eigenen Belastungsgrenze, ist bei PEM der sichere Therapieansatz, nicht Training.
- Ohne PEM kann gezieltes, individuell dosiertes Kraft- und Ausdauertraining den Verlauf spürbar verbessern.
- Als Privatversicherte und Selbstzahler ist ein Rezept zur Kostenerstattung sinnvoll, aber keine zwingende Voraussetzung für einen Termin.
Was unterscheidet Long-COVID von Post-COVID?
Halten gesundheitliche Einschränkungen nach einer Corona-Infektion länger als vier Wochen an oder treten neue hinzu, spricht man von Long-COVID. Bestehen die Beschwerden über zwölf Wochen hinaus fort, wird von Post-COVID gesprochen. Wichtig zu wissen: Die Stärke der Symptome hängt nicht zwingend davon ab, wie schwer die ursprüngliche Infektion verlief, auch nach einem milden Verlauf kann sich Long- oder Post-COVID entwickeln.
Häufige Beschwerden sind Atemprobleme bei Belastung, eine eingeschränkte körperliche Belastbarkeit, Muskel- und Gliederschmerzen sowie eine ausgeprägte Erschöpfung, die sogenannte Fatigue.
Was ist eine Post-exertionelle Malaise und warum ist sie so wichtig?
Nehmen die Beschwerden bereits nach kleineren Anstrengungen deutlich zu und lassen sich auch durch Schlaf oder Erholung nicht lindern, spricht man von Post-exertioneller Malaise, kurz PEM, oder Belastungsintoleranz. Das ist keine gewöhnliche Erschöpfung, sondern eine spezifische Reaktion, bei der Aktivität die Beschwerden aktiv verschlimmert, teils erst mit Verzögerung von einem oder mehreren Tagen.
Für Betroffene mit PEM gilt: Klassisches Ausdauertraining ist als Therapie ausdrücklich nicht empfohlen. Stattdessen zählt Pacing, das bewusste Haushalten mit der eigenen, oft von Tag zu Tag schwankenden Energie.
Wie sieht Pacing im Alltag konkret aus?
Beim Pacing führen Sie grundsätzlich weniger Aktivitäten aus, als Ihnen an Energie zur Verfügung steht, statt sich an guten Tagen zu übernehmen und danach tagelang zu erschöpft zu sein. Ein Aktivitätstagebuch hilft dabei, die eigenen Belastungsgrenzen überhaupt erst kennenzulernen. Kurze, aber regelmäßige Übungseinheiten sind dabei grundsätzlich besser geeignet als lange, anstrengende Einheiten.
Wie hilft Physiotherapie ohne Belastungsintoleranz?
Liegt keine PEM vor, kann Physiotherapie gezielt auf Kraft- und Ausdaueraufbau setzen, angepasst an die individuelle Ausgangslage. Bei anhaltenden Atembeschwerden oder Husten, etwa nach einer Beatmung auf der Intensivstation, hilft gezielte Atemtherapie, bei der das Zwerchfell entspannt und die Rippen mobilisiert werden. Auch Atemtherapie bei COPD nutzt ganz ähnliche Techniken.
Patienten mit längerer Bettlägerigkeit während der akuten Erkrankung benötigen häufig ein klassisches Rehabilitationsprogramm mit kontinuierlicher, aber vorsichtiger Belastungssteigerung, mehr dazu auch in unserem Artikel zu Bettlägerigkeit.
Warum ist ein Hausbesuch bei Long-COVID besonders sinnvoll?
Gerade bei Belastungsintoleranz ist jede eingesparte Anstrengung wertvoll, eine Fahrt zur Praxis kostet Energie, die für die eigentliche Behandlung fehlt, und kann bei PEM sogar einen mehrtägigen Rückschlag auslösen. Bei einem Hausbesuch sparen Sie sich diesen Aufwand komplett und können Ihre begrenzte Energie gezielt in die Therapie investieren, nicht in den Weg dorthin.
Was sollten Sie vorbereiten?
Führen Sie, wenn möglich schon vor dem ersten Termin, ein kurzes Aktivitäts- und Symptomtagebuch, das hilft uns, Ihre individuellen Belastungsgrenzen von Anfang an realistisch einzuschätzen. Für Privatversicherte lohnt sich ein Rezept vom Hausarzt oder Facharzt, der Vermerk „Hausbesuch“ erleichtert die Kostenerstattung.
Was kostet die Physiotherapie zu Hause bei Long-COVID?
Für Privatversicherte und Selbstzahler gibt es keine gesetzliche Obergrenze für Anzahl oder Dauer der Behandlungen, solange sie medizinisch sinnvoll sind. Deshalb vereinbaren wir vor Behandlungsbeginn einen Honorarvertrag mit Ihnen, in dem alle Kosten schriftlich festgehalten sind, keine Überraschungen später auf der Rechnung.
Die Begleichung unserer Rechnung erfolgt innerhalb der genannten Zahlungsfrist, unabhängig davon, wann Ihre Versicherung erstattet, die Rückerstattung holen Sie sich anschließend selbst bei Ihrer PKV ab.
Wie vereinbaren Sie einen Termin?
Rufen Sie uns unter 0151 720 56541 an oder fordern Sie über unser Kontaktformular einen unverbindlichen Rückruf an. Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden persönlich und klären, ab wann ein erster Hausbesuchstermin in Berlin oder Potsdam möglich ist.
Häufig gestellte Fragen
Woher weiß ich, ob ich eine Belastungsintoleranz habe?
Ein deutliches Warnzeichen ist, wenn sich Beschwerden erst Stunden oder Tage nach einer Anstrengung verschlimmern und auch durch Schlaf nicht besser werden. Im Zweifel klären wir das gemeinsam mit Ihnen und Ihrem behandelnden Arzt ab, bevor wir mit dem Training beginnen.
Ist Bewegung bei Long-COVID grundsätzlich schlecht?
Nein, nur bei Belastungsintoleranz ist klassisches Training ungeeignet. Ohne PEM ist angepasste Bewegung ein wichtiger Baustein der Genesung.
Wie lange dauert die Genesung von Long-COVID?
Das ist sehr individuell und kann Monate dauern. Pacing verkürzt die Genesung nicht zwangsläufig, verhindert aber Rückschläge, die den Verlauf oft deutlich verlängern.
Kann ich auch nach einem milden Krankheitsverlauf Long-COVID bekommen?
Ja, die Stärke der ursprünglichen Infektion sagt wenig über das Risiko für Long-COVID aus. Auch nach einem milden Verlauf können deutliche Beschwerden auftreten.
Was, wenn sich meine Belastungsgrenze von Tag zu Tag ändert?
Das ist bei Long-COVID sehr häufig und kein Zeichen dafür, dass etwas falsch läuft. Wir passen die Behandlung flexibel an Ihre jeweilige Tagesform an, statt ein starres Programm durchzuziehen.