Physiotherapie nach Schulter-OP: Rotatorenmanschette richtig nachbehandeln

Physiotherapie nach Schulter-OP: Rotatorenmanschette richtig nachbehandeln

Die Nachbehandlung nach einer Rotatorenmanschetten-OP ist eine Gratwanderung: Zu wenig Bewegung lässt die Schulter versteifen, zu viel oder zu frühe aktive Belastung gefährdet die frisch genähte Sehne. Die deutsch-österreichisch-schweizerische Fachgesellschaft für Schulter- und Ellenbogenchirurgie (DVSE) hat dazu 2016 gemeinsam mit den großen Physiotherapieverbänden evidenzbasierte Empfehlungen veröffentlicht, an denen sich eine gute Nachbehandlung orientieren sollte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Frühe passive Bewegung ist möglich und gefährdet die Sehne laut Studienlage nicht, aggressive aktive Übungen dagegen schon.
  • Die Ruhigstellung in Schlinge oder Orthese dauert meist 4 bis 8 Wochen, orientiert an der Einheilzeit der Sehne.
  • Kälteanwendungen sind in den ersten 3 Wochen nachweislich wirksam gegen Schmerzen, für viele andere übliche Maßnahmen wie Elektrotherapie oder Ultraschall fehlt dagegen eine klare Evidenz.
  • Ein plötzlicher, stechender Schmerz mit spürbarem Kraftverlust kann auf eine erneute Ruptur hindeuten und sollte zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
  • Als Privatversicherte und Selbstzahler sind Sie bei Dauer und Anzahl der Behandlungen an keine gesetzliche Obergrenze gebunden.

Wie lange muss der Arm ruhiggestellt werden, und warum?

Die Ruhigstellung in einer Armschlinge oder Orthese dient dem Schutz der frisch genähten Sehne, bis sie ausreichend eingeheilt ist. Klare Vorgaben zur exakten Dauer gibt es laut Studienlage nicht, in der Praxis liegt sie aber meist zwischen 4 und 8 Wochen. Viele Operateure bevorzugen dabei eine leichte Abduktionsstellung, also einen kleinen Abstand des Arms zum Körper, weil das die Durchblutung der Sehne verbessert und den Zug auf die Naht reduziert.

Wie lange und in welcher genauen Stellung Ihr Arm ruhiggestellt werden soll, legt Ihr Operateur individuell fest, das entnehmen Sie am besten Ihrem OP-Bericht, den Sie zum ersten Termin mitbringen sollten.

Welche Warnzeichen sollten Sie nach einer Schulter-OP ernst nehmen?

Fieber, eine zunehmend gerötete oder nässende Wunde und ein plötzlicher, stechender Schmerz mit spürbarem Kraftverlust im Arm sind ein Grund, zeitnah den Arzt statt zunächst die Physiotherapie zu kontaktieren. Ein plötzlicher Kraftverlust nach zuvor guter Beweglichkeit kann insbesondere auf eine erneute Ruptur der genähten Sehne hindeuten und sollte nicht abgewartet werden.

Wie verläuft die Reha Phase für Phase?

So individuell der genaue Zeitplan je nach OP-Bericht ausfällt, folgt die Nachbehandlung meist einem erkennbaren Grundmuster.

Phase Schwerpunkt
Woche 0 bis 4 bis 8 Ruhigstellung, ausschließlich passive Bewegung durch die Physiotherapeutin, keine Eigenaktivität gegen die Schwerkraft
Nach der Ruhigstellung Aktiv-assistierte Bewegung, schrittweise Steigerung des Bewegungsausmaßes
Folgende Wochen Gezielter Kraftaufbau der Rotatorenmanschette und der umliegenden Schultermuskulatur
Spätphase Rückkehr zu Alltagsbewegungen über Kopf, bei Bedarf sportartspezifisches Training

Was bringt bei der Nachbehandlung nachweislich etwas?

Ein Blick in die Studienlage lohnt sich, weil er auch mit gängigen Annahmen aufräumt. Kälteanwendungen sind für die Schmerzreduktion in den ersten drei Wochen nach der OP nachweislich wirksam. Für viele andere häufig eingesetzte Maßnahmen wie Elektrotherapie, Übungen im Bewegungsbad, Wärmeanwendungen, Massagen, therapeutischen Ultraschall oder Stoßwellentherapie spricht die DVSE dagegen mangels ausreichender Evidenz keine klare Empfehlung aus, auch wenn einzelne Studien einen möglichen Nutzen andeuten.

Auch Bewegungsschienen (CPM), die das Gelenk motorisiert passiv bewegen, gelten zwar als sicher, werden aber nicht generell empfohlen, weil der zusätzliche Nutzen gegenüber einer normalen physiotherapeutischen Behandlung nicht klar belegt ist. Selbstständige Übungen zu Hause können die physiotherapeutische Behandlung sinnvoll ergänzen, sie ersetzen sie aber nicht, die erste Anleitung sollte immer persönlich durch Ihre Physiotherapeutin erfolgen.

Warum ist ein Hausbesuch bei eingeschränkter Armfunktion besonders praktisch?

Mit einem Arm in der Schlinge ist schon das Anziehen eine Herausforderung, von einer Autofahrt zur Praxis ganz zu schweigen, zumal viele Patienten in den ersten Wochen ohnehin nicht sicher Auto fahren dürfen. Ein Hausbesuch entfällt diesen Weg vollständig, mit 60 Minuten ungeteilter Aufmerksamkeit statt der 15 bis 20 Minuten, die in einer klassischen Praxis üblich sind. Mehr zu den Vorteilen lesen Sie in unserem eigenen Artikel dazu.

Wie sieht die Kostenübernahme für Privatversicherte und Selbstzahler aus?

Für Privatversicherte und Selbstzahler gibt es keine gesetzliche Obergrenze für Anzahl oder Dauer der Behandlungen, solange sie medizinisch sinnvoll sind. Als Selbstzahler können Sie sich auch ganz ohne Rezept beraten lassen, als Privatversicherte empfehlen wir dagegen ein ärztliches Rezept, damit Sie die Kosten anschließend bei Ihrer Versicherung einreichen und erstattet bekommen können.

Deshalb vereinbaren wir vor Behandlungsbeginn einen Honorarvertrag mit Ihnen, in dem alle Kosten schriftlich festgehalten sind. Die Begleichung unserer Rechnung erfolgt dabei innerhalb der genannten Zahlungsfrist, unabhängig davon, wann Ihre Versicherung erstattet.

Wie vereinbaren Sie einen Termin?

Rufen Sie uns unter 0151 720 56541 an oder fordern Sie über unser Kontaktformular einen unverbindlichen Rückruf an, am besten schon vor der geplanten Operation. Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden persönlich und klären, ab wann ein erster Hausbesuchstermin in Berlin oder Potsdam möglich ist.

Häufig gestellte Fragen

Darf ich meinen Arm nach der Schulter-OP selbst bewegen?

In der frühen Phase meist nur passiv, das heißt, die Bewegung wird von Ihrer Physiotherapeutin ausgeführt, ohne dass Sie selbst Muskelkraft einsetzen. Aktive Eigenübungen gegen die Schwerkraft sollten Sie erst nach Freigabe durch Ihren Operateur beginnen.

Wie lange muss ich die Armschlinge tragen?

Meist zwischen 4 und 8 Wochen, die genaue Dauer legt Ihr Operateur anhand der OP und Ihres individuellen Heilungsverlaufs fest.

Hilft Kälte oder Wärme mehr nach einer Rotatorenmanschetten-OP?

Kälteanwendungen sind für die Schmerzlinderung in den ersten drei Wochen nach der OP nachweislich wirksam. Für Wärmeanwendungen gibt es dagegen keine vergleichbar klare Studienlage.

Woran erkenne ich eine erneute Ruptur der Sehne?

Typisch ist ein plötzlicher, stechender Schmerz zusammen mit einem spürbaren, neuen Kraftverlust im Arm, oft nach zuvor bereits guter Beweglichkeit. Kontaktieren Sie in diesem Fall zeitnah Ihren Operateur.

Kann ich einen Hausbesuchstermin schon vor der Operation vereinbaren?

Ja, das empfehlen wir ausdrücklich. Kurzfristig freie Termine sind gerade in den ersten Wochen nach der Entlassung oft knapp, eine frühzeitige Absprache stellt sicher, dass die Physiotherapie nahtlos nach der OP beginnen kann.

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